| Slipper |
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Ungeachtet aller praktischen Erwägungen waren Slipper nicht zum Gebrauch bestimmt, sondern nur zum Ansehen gedacht. In der Praxis bezeichnete man mit dem Wort Slipper jegliche Art von elegantem, dünnsohligem Schuh aus Textilmaterial oder feinem Leder, der nur eben den Fuß bedeckte und in den man leicht hinein- und auch wieder herausschlüpfen konnte. Im Laufe der Ge schichte galten Slipper teils als Wohlstands- und Statussymbol, teils als Zeichen inniger Vertrautheit, da sie so empfindlich waren und deswegen meist nur im heimischen Boudoir getragen wurden. Römische Frauen ließen sich außer Hause niemals in ihren socci sehen, und so umwehte diese flexiblen, flachen Schlupfschuhe ein Hauch von Erotik. Flache Slipper aus Seidenbrokat oder Samt galten lange Zeit als traditionelle Fußbekleidung der Bischöfe, und als Elisabeth I. den englischen Thron bestieg, waren Slipper mit Absatz in England der letzte Schrei für modebewußte Männer und Frauen. Ihre reichen Verzierungen und kostbaren Materialien dokumentierten den Reichtum des Trägers. Venezianische Schuhmacher verarbeiteten derartige Mengen an Gold und Edelsteinen für ihre Kreationen, daß zur Beschränkung des Aufwandes schließlich Kleiderordnungen erlassen wurden. Trotzdem blieben Slipper ein Statussymbol. Als die französische Kaiserin Josephine (die einer Quelle zufolge 521 Paar Schuhe besaß) ihrem Schuhmacher einen Slipper zeigte, der bereits nach einmaligem Tragen unbrauchbar geworden war, soll dieser geantwortet haben: „Ah, Madame. Ich weiß, woran es liegt. Ihr seid damit gegangen."
Die juwelenbesetzten Slipper des 18. Jahrhunderts hatten nach oben gebogene Spitzen, und Frauen der Mittelschicht eiferten ihren hochgestellten Vorbildern nach, indem sie ihre Schuhe so bemalten, daß sie aussahen, als seien sie aus Brokat, Spitze, Bändern und kostbaren Steinen. Selbst nach der Französischen Revolution, als die roten Absätze der Aristokratie verboten waren, blieben leichte Escarpins aus handschuhweichem Glace- leder, Samt, Seide und Satin noch beinahe ein halbes Jahrhundert lang in Mode. Bei den zahllosen Bällen des 19. Jahrhunderts wurde so mancher mit Rosetten, Pompons oder Schleifen dekorierte Slipper aus hauchfeinem Glaceleder oder kostbarer Seide zertanzt. Da vernünftige Schuhe das Stigma der Arbeiterklasse trugen, wagten sich europäische wie amerikanische Frauen der Mittel- und Oberschicht in ihren unpraktischen Slippern auch ins Freie, obwohl schon ein paar Grashalme irreparablen Schaden anrichten konnten. Wie wir aus dem Werk der Schriftstellerin Frances Trollope wissen, war es im Winter 1832 kein ungewöhnlicher Anblick, Frauen über Schnee und Eis stolpern zu sehen, „die armen kleinen Zehen in winzige Slipper gezwängt, die schon von den Tautropfen auf einer Primel völlig durchnäßt worden wären". Auch heute trägt man Slipper zu besonderen Anlässen – passend zu einer Abendrobe oder zum Hochzeitskleid. Und wie viele der Slipper in Marie Antoinettes berühmtem Schuhschrank kommen sie nur ein einziges Mal zum Einsatz. Ob man sie zu einer Galavorstellung oder im Schlafzimmer trägt, moderne Slipper sind oft aus den gleichen kostbaren Stoffen und mit den gleichen Stickereien, Pailletten und Federn verziert wie vor Jahrhunderten. Und wie damals ist ihre Funktion von untergeordneter Bedeutung. Was zählt, ist die dekorative Wirkung |
