| Der Pumps |
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Ein Pumps kommt niemals aus der Mode – er ist das Kleine Schwarze unter den Schuhen. Dank seiner klaren, schnörkellosen Form und seinem gemäßigt hohen Absatz ist er praktisch und elegant zugleich, dezent und klassisch konservativ. Heutzutage werden Pumps vorwiegend von Frauen getragen, doch im frühen 16. Jahrhundert waren sie Bestandteil der Lakaienuniform – flache, leichte Slipper, die mit den Fußmuskeln gehalten werden mußten. Die Bezeichnung, die erstmals im Jahr 1555 in der Schreibung poumpe, pompe oder pumpe auftauchte, leitet sich her von dem Geräusch, das der Schuh machte, wenn man damit über einen gebohnerten Fußboden ging. Seinen Einzug in die Frauenmode hielt dieser absatzlose Schuh in der Mitte des 18. Jahrhunderts, und zwar als Abwandlung eines Straßenschuhs, der bevorzugt von Dandys getragen wurde. Er gewann in Europa rasch an Boden, da er eine gangbare Alternative zu unpraktischen Slippern und Schnürstiefeln war. Am Ende des Jahrhunderts, nach der Erfindung des Lackleders, sah man Damen und Herren auf beiden Seiten des Atlantiks in Pumps, die als idealer Tanzschuh galten. Der Pumps, der ursprünglich ein Männerschuh war, zeichnet sich noch immer durch seine schnörkellose Schlichtheit aus.
Im Laufe der Zeit kamen Pumps mit Absätzen auf; Schleifen zierten das Blatt, und kunstvolle Schnallen verliehen ihnen einen Hauch von Eleganz. Die ersten Pumps speziell für Frauen kamen um das Jahr 1838 auf, als Alfred Gabriel, der Graf von Orsay, buchstäblich den Schuh in die Hand nahm und ihn persönlich schneiderte. Seine Pumps waren eine gewagte Neuerung gegenüber den hochgeschlossenen Damenschuhen der Zeit. Ihr V-förmiges Dekollete umschmeichelte den Zehenansatz, und die niedrig geschnittenen Seiten enthüllten die Wölbung der Fußmitte. Der d'Orsay-Pumps aus schwarzem oder braunem GlacMeder mit seinem vernünftigen 5 Zentimeter hohen Absatz war um die Jahrhundertwende ein Klassiker, der in keinem Kleiderschrank fehlen durfte, und seine unverwechselbare Silhouette ist bis auf den heutigen Tag zeitlos modern geblieben. Als die koketten Absätze der zwanziger Jahre wieder gemäßigteren Formen wichen, kehrte auch der Pumps auf den Boden der Vernunft zurück – wenn auch nicht lange. In den fünfziger Jahren, als die 10 Zentimeter hohen Bleistiftabsätze Furore machten, taten sich Coco Chanel und Raymond Massaro zusammen und brachten einen Pumps mit niedrigem Absatz heraus. Bei diesem zweifarbigen Slingpumps sorgten der beige Korpus und Absatz dafür, daß das Bein länger wirkte, während die schwarze Kappe den Fuß kürzer erschienen ließ. 1955 stellte Givenehy den sogenannten „Opern-Pumps" vor, ein Modell, das über dem Spann gerade geschnitten war und dessen Seiten von der Ferse schräg nach vorn abfielen. Als Babe Paley, eine Autorität in der Modewelt, diesen Schuh mit Kaschmir-Itvinsets und Perlenketten kombinierte, wurde der Pumps quasi in den Adelsstand erhoben. In den sechziger Jahren bestimmte Jacqueline Kennedy mit ihren Schneiderkostümen, Pillboxhüten und eleganten Pumps die modische Linie im Weißen Haus und anderswo. Seither gilt der Pumps bei Präsidentengattinnen als Inbegriff der modi schen Etikette und des guten Geschmacks. Als in den achtziger und neunziger Jahren immer mehr Frauen ins Berufsleben eintraten, wuchs die Nachfrage nach modischen und zugleich bequemen Schuhen, die man rund um die Uhr tragen konnte. Die Antwort der Hersteller waren Modelle mit breiteren Spitzen, ein breiteres Spektrum an Größen und Weiten und flachere, 3,5 Zentimeter hohe Absätze. Ferragamos Modell „Vara" und Viviers „Pilger-Pumps" verbanden bequeme Paßform mit elegantem Aussehen. Die Fußspezialistin Mayde Lebensfeld aus Manhattan sagt über den modernen Pumps: „Der Schuh paßt — und ist nun endlich tragbar geworden." |
