| Der Go-Go-Stiefel |
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Andre Courreges, den das Fachblatt Women's Wear Daily einmal den Xorbusier der Pariser Couture" nannte, war studierter Ingenieur und arbeitete als Zuschneider bei dem großen spanischen Modeschöpfer Balenciaga. Seine Kollektion vom Herbst 1964 machte sich diese doppelte Vorbildung zunutze. Sie brachte ausgestellte Minikleider mit Kunststoff-Gucklöchern in der Taille und dazu Hüte, die aussahen wie flache Teller oder Astronautenhelme. Noch revolutionärer waren die zugehörigen Schuhe: flache, wadenhohe Stiefeletten aus weißem Kunststoff, nur mit einem durchsichtigen Plastikstreifen am oberen Schaftende verziert. Binnen kurzem machte der Go-Go-Stiefel den Schritt vom Laufsteg zur Disco; er war der erste Vertreter einer neuen Generation von Designermode, mit der das Zeitalter zu Ende ging, in dem eine Handvoll Pariser Couturiers im Alleingang den Geschmack diktierte.
Stiefel wurden der Renner des Jahrzehnts, und es gab sie in den verschiedensten Formen und Schafthöhen. Sie wurden zu Miniröcken getragen, wo sie die frisch enthüllten Beine teils Frauen als Zeichen ihrer Befreiung trugen. Courreges fand so viele Nachahmer, daß er eine Zeitlang seinen Laden schloß. Zwei Jahre darauf öffnete er wieder, doch mit keinem seiner späteren Entwürfe machte er soviel Furore wie mit den kleinen weißen Stiefeln. |
