| Designer Schuhe - Manolo Blahnik |
|
Designer Schuhe - Manolo BlahnikHätte nicht Diana Vreeland, die Hohepriesterin der Mode, einen jungen schweizerischen Bühnenbildner dazu ermutigt, sich doch eher den Schuhen zuzuwenden, wäre der Name Blahnik vielleicht nie auf die Liste der begehrtesten Sammlerstücke gekommen — mit seinen sinnlichen, erotischen Slippern, Pantoletten, Pumps aus kostbarem, edelsteinbesetztem Brokat, aus Samt und handschuhweichem Ziegenleder. Madonna kauft Schuhe bei Blahnik Pantoffel mit Koral_(„Davon hat man mehr als von lenkette, 80er Jahre. Sex"), ebenso Bianca Jagger, Prinzessin Diana und Paloma Picasso. Sie alle wissen nicht nur die handwerkliche Perfektion und den frechen Charme seiner Kreationen zu schätzen, sondern auch ihre legendäre Paßform.
"Ich habe meine kleinen Tricks", sagt Blahnik. „Die Schere gehorcht mir vollkommen." Und mit seiner Schere hat er die extravagantesten Kreationen geschaffen, einen Schuh zum Beispiel, der aussieht wie ein Handschuh, und ein Modell mit einem Knöchelriemen in Gestalt einer sich um die Fesseln windenden Schlange. Oft nimmt er Anleihen bei früheren Epochen — hier ein klassizistischer Absatz, dort ein Rokokoblatt —, doch seine handgefertigten Schuhe sind ebenso durch und durch modern wie die gutbetuchten Frauen, die sie bei ihm kaufen. Jeder Blahnik-Schuh — deren Markenzeichen das spitz zulaufende Blatt ist — durchläuft etwa 50 Arbeitsschritte, und so stellt seine Manufaktur im italienischen Parabiago am Tag nur etwa 80 Paar her. Doch je knapper das Angebot, desto mehr davon will die treue Kundschaft offenbar haben. Eine Kundin zum Beispiel kauft pro Saison durchschnittlich 23 Paar, und zwar unbesehen per Telefon. „Blahnik ist der Luther Vandross des Schuhs", meint der Designer Bernard Figueroa dazu, weil seine Formen so „elegant und verführerisch" sind. 1942 auf den Kanarischen Inseln als Sohn eines tschechischen Vaters und einer spanischen Mutter geboren, studierte Manolo Blahnik zunächst Literatur und Architektur an der Universität Genf und wollte Bühnenbildner werden. In den siebziger Jahren entwarf er nebenher einige Schuhe, kreierte einen eigenen zweifarbigen Sportschuh für Männer und wandte sich dann nach der schicksalhaften Begegnung mit Diana Vreeland dem Frauenschuh zu. Seine erste Boutique eröffnete er 1973 in London und stellte Plastiksandalen, die „Jellies", für Fiorucci her, bevor er sich raffinierteren Modellen zuwandte. Bis heute schnitzt Blahnik Absätze mit eigener Hand und achtet darauf, daß nichts die Fabrik in Italien verläßt, was nicht seinen Ansprüchen genügt. Die Models führender Modeschöpfer treten in seinen Schuhen auf, etwa bei Isaac Mizrahi, Todd Oldham und Badgley-Mischka, und die angesehensten Modezeitschriften der Welt stellen seine Kreationen vor.
Als sein frühestes Schuherlebnis nennt Blahnik „Medina", 1995. den Anblick Marlene Dietrichs in dem Film Marokko, wie sie auf hohen Absätzen durch die Wüste stakst, und bis heute läßt er sich für seine Kollektionen gern aus Filmen und Büchern inspirieren. Denn schließlich, so sagt er, sind es ja im Grunde keine Schuhe, die er schafft, sondern „flüchtige Augenblicke", aufgeladen mit verwegenen Phantasien, die selbst eine Marlene Dietrich im Wüstensand zu schätzen gewußt hätte. |

Kommentare
Alle Kommentare dieses Beitrages als RSS-Feed.